Das Motto für unser nächstes Barcamp Business lautet  < Vertrauenskultur leben – Potenzialentfaltung im Business > und Kathrin und ich haben uns angewöhnt in Social Media Fragen zu stellen, um herauszufinden, wo die Probleme liegen und welche Rolle das Thema für die Befragten spielt.

So haben wir unter anderem die Frage gestellt, welche Bedeutung eine lebendige Vertrauenskultur für Unternehmen hat. Es wundert uns beide nicht, dass 78 % der Befragten geantwortet haben, dass das Thema eine große Bedeutung hat und lediglich 9 % es für weniger wichtig halten und es für niemanden bedeutungslos ist.

Mit selbst läuft das Thema bei meiner Arbeit auch ständig über den Weg. So war ich Ende März als Referentin bei der PM Welt dabei. Nach unserem Vortrag wurden wir immer wieder gefragt, warum die Menschen Angebote von Teamleitern und Führungskräften, eigene Entscheidungen zu treffen und Gestaltungspielräume zu nutzen, nicht annehmen. Oder anders betrachtet, warum den Mitarbeitern das Vertrauen fehlt, diese Möglichkeiten auch anzunehmen.

Auf dem Kongress erzählte mir eine Projektleiterin eines mittelständischen Unternehmens davon, dass in ihrem Unternehmen die Parole ausgegeben wurde, die Projektleiter könnten mit ihrem Team selbst darüber entscheiden, wie der beste Weg zum Projektergebnis aussehen solle. In einem konkreten Fall habe sie aber dann genau das Gegenteil davon erlebt. Sie hatte eine Lösung vorgeschlagen, die von den herkömmlichen, normal üblichen Verfahrensweisen abwich. Da hatte die Unternehmensleitung dann doch kalte Füße bekommen und den Vorschlag einfach abgelehnt. Sie stellte sich jetzt natürlich die Frage, wieweit es mit dem Thema Vertrauen wohl her ist.

 

Ein positives Beispiel

Ich selbst habe in einem meiner Projekte mal eine andere Erfahrung gemacht. Es war ein großes Veränderungsprojekt und es betraf alle drei Werke des Unternehmens. Es ging um die digitale Unterstützung eines Instandhaltungsprozesses und die Frage wieweit die Automatisierung des Prozesses gehen sollte. Mit der Automatisierung ging einher, dass die Daten zu dem Prozess dann auch gepflegt werden mussten, damit das System immer den aktuellen Stand des Auftrages anzeigen konnte.

Ich war Projektleiterin des Gesamtprojektes und die einzelnen Werke bzw. Teams konnten selbst entscheiden welche der beiden Automatisierungsvarianten sie einführen wollten – mit allen Auswirkungen auf den Arbeitsprozess. In einem der Werke kam es dabei zu unterschiedlichen Positionen zwischen dem Werkleiter und dem Projektteam. Der Werkleiter fand die Automatisierung zu aufwändig in der täglichen Arbeit, das Team fand diese Lösung jedoch sehr gut.

Die anschließende Entscheidungsfindung ist ein gutes Beispiel für Vertrauenskultur leben: Der Werkleiter brachte seine Bedenken zum Ausdruck und stellte dem Team aber frei, die Entscheidung selbst zu treffen. Dazu gab er Ihnen zwei  Wochen Zeit, die Auswirkungen noch mal anzuschauen und zu diskutieren. Er sagte auch sehr deutlich, er wolle anschließend keine Klagen über die Auswirkungen der Automatisierung hören – sprich Sie sollten sich der Konsequenzen bewusst sein.

Ich hatte lediglich die Aufgabe, dem Team den Rücken freizuhalten und in der Lenkungsausschuss-Sitzung dafür zu sorgen, dass das Team die zwei Wochen Aufschub bekommt. Denn gerade der Bereichsleiter scharrte schon mit den Hufen, jetzt doch endlich weiter zu machen und nicht in Verzug zu kommen. Es sei doch eigentlich alles klar.

Das Team entschied sich für die Automatisierung und setzte alles anschließend perfekt um.  Es kam zu keiner Zeitverzögerung – trotz dem kleinen Umweg, den wir gegangen waren.

Anhand meiner Beispiele möchte ich 3 Bedingungen formulieren, die es braucht um mit solchen Stolpersteinen umzugehen,  wahres Vertrauen zu entwickeln und dann auch zu leben:

 

1) Wahres Vertrauen bedeutet Gefühl und Verstand in Einklang zu bringen

Oft funktioniert es mit dem Vertrauen nicht, weil Gefühl und Verstand nicht im Einklang sind und unser Gesprächspartner das auch spürt. Wenn wir jemandem erklären, dass wir bedingungslos dahinter stehen, wenn er sein Projekt so durchzieht, wie er es für richtig hält, dann kann es sein, dass wir im tiefsten Inneren etwas anderes fühlen, uns dies aber gar nicht bewusst ist.

Wir sind im Business so darauf getrimmt nur auf unser Denken und unsere Ratio zu achten, dass wir unsere Gefühle oft verdrängen oder gar nicht mehr wahrnehmen. Mental ist alles klar aber emotional haben wir Angst, dass es schiefgehen könnte. Wir haben Angst vor den Konsequenzen oder Angst davor die Anerkennung/unsere Position in der Organisation zu verlieren.

Dabei muss es gar nicht erst soweit kommen, dass – wie in dem Beispiel  der Projektleiterin – die Entscheidung einfach abgelehnt wird. Andere Menschen können unsere Unsicherheit bzw. die Diskrepanz zwischen unserem Gefühl und unseren Aussagen sehr wohl wahrnehmen bzw. spüren. Sie reagieren dann darauf. Indem sie unser Angebot einfach nicht annehmen und so auf Nummer sicher gehen.

Wenn wir Bedenken haben, dann ist es wichtig, sich diese und unsere dazugehörigen Gefühle wie Angst, Frustration oder Ärger bewusst zu machen und sie auch auszusprechen. So wie das der Werkleiter in meinem Beispiel gemacht hat.

Achte also in solchen Situationen darauf ob Dein Gefühl und Dein Verstand wirklich beide einverstanden sind und überlege, was Du tun kannst, um diesen Einklang herzustellen.

 

2) Vertrauen kann man nicht „machen“ sondern nur verschenken

In einem meiner letzten Coachings fragte mich eine Kundin, wie sie sich in einer Teamsituation verhalten solle. Ob es angeraten sei Vertrauen sozusagen als „Vorschuss“ zu gewähren, oder ob es nicht besser sei erstmal abzuwarten, welches Ergebnis geliefert wird. Meine Entgegnung war: „Wenn wir das alle so machen, dann kommt Vertrauen nie zustande, weil wir alle immer auf die Bestätigung warten. Vertrauen ist ein Geschenk, das man freiwillig und absichtslos geben sollte.“

Absichtsloses Vertrauen heißt auch, dass wir damit einverstanden sind, dass der andere die Dinge so tut, wie er es für richtig hält und es für ihn passt. Das ist in unseren bestehenden wirtschaftlichen Systemen eine große Herausforderung. Denn was passiert, wenn unser Vertrauen missbraucht wird und wir dann mit den Konsequenzen leben müssen?

Es gehört also auch ein wenig Mut dazu, wie das Beispiel des Werkleiters zeigt. In diesem Fall  hat es gut funktioniert, weil das Team verantwortlich mit der Entscheidung umgegangen ist.  Da hilft nur eins: Ausprobieren und auf die Auswirkung achten. Und selbst wenn es mal schiefgeht: Wer sagt denn, dass die Führungskraft die bessere Entscheidung getroffen hätte?

Wenn wir in einem komplexen, dynamischen Umfeld zeitnah reagieren wollen, dann müssen wir uns wohl oder übel damit anfreunden, dass die Entscheidungen von den handelnden Personen getroffen werden – Ihnen also unser Vertrauen schenken.

Außerdem spart es uns eine Menge Zeit, die wir dann für andere Aufgaben oder uns selbst zur Verfügung haben.

 

3) Vertrauen wächst, wenn wir es kultivieren

Wie mein Bespiel zeigt, ist der beste Vertrauensaufbau mit gutem Beispiel voranzugehen. Vertrauen kann ich nicht einfordern oder machen. Vertrauen ist ein Gefühl bei dem mein mentaler und mein emotionaler Zustand im Einklang sind.

Vertrauen ist wie eine Pflanze, die wächst, wenn wir sie immer wieder gießen und für gute Wachstumsbedingungen sorgen. Wenn wir Vertrauen an Bedingungen knüpfen oder wie im Falle der Projektleiterin wieder zurückziehen, wenn es uns doch nicht passt, dann ist das so als würden wir die gerade ausgesäten Pflänzchen wieder herausreißen.

Vertrauen ist immer an Menschen geknüpft, die dieses bedingungslose Vertrauen verschenken. Ein einzelner Mensch kann eine bestehende Vertrauenskultur schädigen, wenn er als Führungskraft ständig kontrolliert und  Misstrauen sät oder als Mitarbeiter das in ihn gesetzte Vertrauen bewusst missbraucht.

Mach Dir also klar, welchen Einfluss Du hast. Du hast immer eine Wahl, Du entscheidest am Ende welche Saat Du ausbringst und ob Du mithilfst, dass Vertrauen wachsen und  gedeihen kann oder eben nicht.

Ein spannendes Thema über das ich jetzt sicher noch mehr schreiben könnte. Vielleicht hast Du ja Lust mitzudiskutieren und über Deine eigenen Erfahrungen mit dem Thema Vertrauen zu sprechen. Oder Du hast schon gute Lösungen gefunden, die  Du mit anderen teilen möchtest.

Dann lade ich Dich herzlich zu unserem nächsten Barcamp Business 2018 ein. Da geht es 1 1/2 Tage um Vertrauen im Business-Alltag und das Potenzial das darin steckt. Klick einfach hier, um mehr dazu zu erfahren. 

Kathrin und ich würden uns freuen, wenn Du auch dabei bist.

Herzlichst

Martina Baehr

Martina Baehr
Martina Baehr ist freiberufliche Projektmanagerin, Trainerin, Coach und Inhaberin von Projektmanagement plus - Mit dem richtigen Mindset zum Projekterfolg. Sie unterstützt. Projektmanager und Führungskräfte dabei, erfolgreich mit Veränderungen im Berufsalltag umzugehen und mehr Gelassenheit und Selbstbewusstsein im Projektalltag zu entwickeln.
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