Aus dem letzten Barcamp „Wandel durch Wertschätzung“ ist eine Arbeitsgruppe hervorgegangen, die sich darüber Gedanken macht, wie man Menschen dabei unterstützen kann, den Wandel in Firmen und im Business voranzubringen.
Dabei haben wir folgendes Dilemma entdeckt: Viele Menschen wünschen sich nachhaltige Veränderung und nicht nur „Veränderungskosmetik“ am Arbeitsplatz. Es gibt jedoch wenig Orientierung im Sinne von „Rollenvorbildern“, an denen man sich diesbezüglich orientieren kann. Was ist ein Role Model, ein Rollenvorbild überhaupt?

Um ein klareres Bild davon zu bekommen, was sich „veränderungswillige“ Mitarbeiter wünschen und was sie brauchen, haben wir uns selbst 4 Fragen gestellt und einige Menschen in unserer Umgebung dazu befragt.
Die Ergebnisse wollen wir hier mit dir teilen.
Wir glauben nämlich, dass die Auseinandersetzung mit dem Thema „Role Model“ oder Rollenvorbild ein praktischer Ansatz sein kann, wenn Veränderung nicht nur von oben nach unten, sondern auch von unten nach oben oder „aus der Mitte heraus“ entstehen darf.

Was ist ein Role Model oder Rollenvorbild?

Das englische Wikipedia schreibt dazu einleitend: Ein Rollenmodell ist eine Person, deren Verhalten, Beispiel oder Erfolg von anderen nachgebildet werden kann, v.a. von jüngeren Menschen. Der Soziologe Robert K. Morton nahm an, dass Menschen sich im sozialen Umfeld mit Referenzgruppen von Menschen (Peergroups) vergleichen, die die soziale Rolle einnehmen, die die Einzelnen anstreben.

In dem Beitrag „Was sind Rolemodels?“ werden von der Kinder- und Jugendsychologin Marilyn Price-Mitchell fünf charakteristische Punkte zitiert, die ein Role Model ausmachen.

Role-Models

  • zeigen Leidenschaft für ihre Arbeiten und stecken Andere an
  • haben klare Wertvorstellungen und leben diese auch
  • bekennen sich zu der Gesellschaft in der sie leben
  • akzeptieren Menschen, die anders sind als sie selbst und unterstützen gern
  • haben die Fähigkeit, Hindernisse zu überwinden und sind dadurch immer wieder initiativ, zeigen dass Handeln aus komplexen Zusammenhängen heraus möglich sind.

Auf diese fünf Punkte machte mich mein erster Interviewpartner, IT-Leiter eines KMUs aufmerksam und daran orientierte er sich. Denn auch er fragte sich natürlich zunächst, was damit überhaupt gemeint sei. Am Schluss des Beitrags gebe ich eine Zusammenfassung seiner Antworten. Zunächst nähere ich (Kathrin Stamm) mich selbst dem Thema Role Model.

Was brauche ich als Unterstützung um Role model zu sein?

Ich bin hoch motviert Multiplikatorin zu sein. Also nicht nur einzelnen Menschen im 1:1 zu helfen oder zu unterstützen.

Mein Wunsch ist Teil davon zu sein, dass Learnings, Erfahrungswerte und Ermutigung sowie offener Raum sich multiplizieren oder potenzieren.

Austausch und Feedback sowie auch kritische Anregungen helfen mir sehr dabei.

Was sind meine eigenen Erfahrungen in Bezug auf Vorbilder?

Für mich war viele Jahre lang eine Kollegin Rollenvorbild, die mit extrem „verhaltensoriginellen“ Jugendlichen aus z. T. schwer zerrütteten Familienverhältnissen arbeitet. Ich bewunderte

  1. ihre Fähigkeit, sich gut abzugrenzen.
  2. wie sie klare Haltung bewahrte, egal was es gab.
  3. wie sie es vermochte zuzuschauen, wenn sich Situationen zuspitzen ohne einzugreifen in dem Wissen, dass es erst „knallen“ muss, bis Veränderung möglich ist.
  4. wie gut sie für sich selbst sorgte, bevor sie sich für andere engagierte.

Das waren Fähigkeiten, die ich mir mehr wünschte. Allein der Gedanke daran, was sie machen würde in Situation xy war meist schon ein Schritt Richtung Lösung. Zusätzlich konnte ich sie persönlich um ihren Rat fragen.

Wie habe ich gespürt, dass ich selbst Vorbild bin?

Schon als Kind in der Grundschule habe ich teilweise erlebt, dass Mädels Dinge von mir „nachgemacht“ haben. Zumindest habe ich es damals so empfunden. Das fand ich eher unangenehm. Denn meine eigene Individualität war mir wichtig.

Bezüglich Rollenvorbild erlebe ich zwei Seiten: Menschen, die ich bewundere und an denen ich mich ein Stück orientie. Und Menschen, die sich an mir orientieren.

Das bemerkte ich, dass ich zunehmend um Rat gefragt wurde z. B. im Ehrenamt oder von Kollegen. Und in den Ausbildungen oder von Klienten, wenn es um Ressourcen und Vorbilder geht, sagen manche, dass ich zu ihren Inspirationsquellen gehöre. Am Anfang hat mich das überrascht.

Mittlerweile weiß ich:

Das, was du im Anderen siehst ist in dir selbst ebenfalls angelegt, wenn auch nicht so ausgeprägt.

Sonst könntest du es nicht wahrnehmen. Es würde dir gar nicht auffallen.

Insofern schaue ich in beide Richtungen auch mit diesem Blick:

Wen bewundere ich, von wem möchte ich mir etwas abschauen? Diese Eigenschaften und Fähigkeiten habe ich selbst und es hilft mir, sie an anderen wahrzunehmen, um mich weiter zu entwickeln und selbst mutiger zu werden z. B. mit geändertem Verhalten.

Genauso ist es natürlich, wenn Andere in mir Eigenschaften und Fähigkeiten wahrnehmen, die sie bewundern oder von denen sie gerne mehr hätten. Wir sind nun mal mit einem Hirn ausgestattet, das durch das soziale Miteinander lernt. Daher ist Role Model – Sein eine wunderbare Möglichkeit des Einflussnehmens. Im positiven wie im negativen Sinn.

Kernproblem „Druck“ – Erfahrungen eines Business-Coaches

Ein Business-Coach, der einen Familienbetrieb betreut, beschrieb, dass der Wunsch nach Veränderung in den KMUs, die er begleitet auf allen Seiten klar da ist. Die Frage ist jedoch: wie ist es möglich, die alten Verhaltensmuster in einer Firma zu unterbrechen? Der Wunsch ist klar sowohl seitens der Mitarbeiter als auch seitens der Firmenleitung. Sobald jedoch Druck aufkommt oder wie auch immer geartete Herausforderungen (z. B. wenn der Gewinn zurückgeht), fallen alle wieder in die alten Muster zurück. Er beobachtet zwei Zustände: einen resourcevollen Zustand, wo Wertschätzung da ist. In dem Moment, wo Angst auftaucht, ein Zurückfallen in alte bewährte Muster. Führungskräfte reagieren in herausfordernden Zeiten weniger als Rollenvorbilder, sondern erleben das gleiche Dilemma mit dem Rückfall in die alten Muster. In unserer Diskussion hatten wir zunächst kein einfaches Lösungs-Rezept dafür. Und genau das ist der Grund, warum wir mehr darüber sprechen und uns austauschen wollen, welche Wege es aus dem Dilemma gibt zwischen: etwas Neues wollen und immer wieder in alte Muster zurückfallen.

Gedanken eines IT-Leiters: Was ist ein Role Model für dich, was wünschst du dir dazu konkret?

Ich wünsche mir, dass alle zu einem Rollenmodell werden. Dass sich alle entwickeln nach den o.g. fünf Kriterien. Dann haben wir eine gute Firmenkultur und Gesellschaftskultur.

Was bräuchtest du dafür als Unterstützung?

Eine große Basis für mich ist Karmic Business.  Daher brauche ich mich selbst und meine Bereitschaft die Augen zu öffnen: Wo hole ich mir weitere Energie und Ideen aufgrund der fünf Punkte her?  Die Frage ist jetzt auch: soll oder will ich mich als Rollenmodell identifizieren? Ich bin Vater, Vorgesetzter in der Firma von einer kleinen Truppe IT-Leute. Ich möchte das sein. Aber ich möchte nicht immer der Musterknabe sein. Meine Intuition ist wichtig und Gespräche mit anderen, z. B. auf Barcamps, um das mehr zu spüren und zu beeinflussen.

Was sind deine eigenen Erfahrungen in Bezug auf Vorbilder?

Ich kann verschiedene Leute finden, die mir helfen und geholfen haben. Zum Thema Leidenschaft ist da mein Vater, die Art und Weise wie er seinen Beruf ausgeübt hat. Das habe ich lange nicht gemerkt, er hat eine große Rolle gespielt in der Entwicklung meines Selbstwertgefühls. In Bezug auf  Eigenverantwortung im Businessdenken hat er eine große Rolle gespielt.

Ich bemerke auch, dass manche Menschen andere Mitarbeiter häufig kritisieren. Das sind nicht meine Vorbilder. Da stelle ich dann gerne selbst ein paar kritische Fragen zur Anregung und Reflexion.

Klaren Wertvorstellungen gehören auch dazu. Nicht abgehoben sein, Bodenständigkeit ist für mich wichtig, weil es Vertrauen schafft. Für mich ist auch wichtig:

Einfach Mal innezuhalten und nachdenken: Wie bewegt sich die Welt da draußen, wie bewegt sich die Welt in mir?

Wann hast du gespürt, dass du Vorbild bist?

Trotz Problemen bekomme ich die Rückmeldung, dass ich viel geholfen und Impulse gesetzt habe, was mir gar nicht so bewusst war. Mir ist wichtig, einfach Impulse setzen für mich und andere. Nicht mit einem Regelwerk. Das kann man nicht jemandem beibringen, sondern man muss sich selbst wandeln, verwandeln.

Vielleicht ist jeder in einer Art und Weise ein Vorbild. Auch ein großer Drogendealer für kleine. Einige werden gehasst und gleichzeitig geliebt. Hier wieder der Blick vom Karmic Business:

Es sind meine Gedanken, die jemanden zum Depp machen oder zum liebenswerten Menschen.

Jammern darüber, was ich von außen nicht bekomme, brauche ich nicht. Von innen heraus kann ich diese fünf Punkte verwirklichen. Ich glaube an das Motto: wenn ich in den Wald rufe, schreit es erfolgreich zurück. In meinem Umfeld haben sich sogar die Leute verändert. „Motzer“ sind gegangen. Das neue und das verbliebene Personal ist jünger, flexibler, aktiver und mitdenkender. Da geschieht etwas um mich herum und ich bin ein Teil davon. So wie ich mich verändert habe, hat sich ein Teil um mich herum verändert.

 „Wir verändern unsere Realität und können zum Rollenmodell werden. Mit Gewahrsein und kleinen Aspekten.“

Ausblick und Frage – Was ist ein Role Model:

In Teil 2 zum Thema Role Model knüpft Martina Baehr nächste Woche an.

Uns interessiert jetzt noch sehr, welchen Begriff du nehmen würdest für das Thema. Role Model ist sozusagen unser vorläufiger Begriff. Trifft es „Role Model“, Rollenvorbild, Vorbild oder hast du einen anderen Vorschlag? Schreibe gerne deine Anregungen und Gedanken dazu in das Kommentarfeld. Vielen Dank dafür.

Kathrin (Stamm)

 

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Kathrin Stamm
Mach es DIR leichter anderen zu helfen! Mit diesem Motto hat Kathrin Stamm viele hilfreiche Tipps und Tricks auf Lager, wie du besser in deiner Energie bleibst trotz zahlreicher Herausforderungen. Mehr dazu auf https://heartify.life
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