Meine Kollegin – Kathrin Stamm  – hat vor zwei Wochen ihren Artikel über das Thema  Role Models veröffentlicht, ich möchte dort jetzt gerne mit meiner Sicht auf das Thema anschließen.

Mir ist das Thema nämlich in den vergangenen Monaten immer wieder untergekommen, bei meinen Kunden, beim Netzwerken, in vielen Gesprächen. Immer wieder stelle ich fest, wie schwer es uns fällt, den Wandel im Business zu vollziehen. Denn für die neuen Strukturen, die neue Art der Zusammenarbeit – also das NEW WORK – gibt es oft nur wenige Vorbilder, an denen man sich orientieren kann. Das glauben viele zumindest.

Eine Art, wie der Mensch lernt, geschieht ja durch solche Role Models, die einem etwas vormachen oder vorleben. Wenn uns das Verhalten oder die Handlung gefällt, dann überlegen wir uns, das für uns zu übernehmen.  Das kann eine innere Haltung sein, das können aber auch bestimmte Arbeitsweisen sein, die man anschließend für sich ausprobiert und dann beibehält oder auch an die eigenen Gegebenheiten anpasst.

Ich selbst habe das in meinem Arbeitsleben sehr oft erlebt. Ich hatte zwar kein Vorbild im klassischen Sinne, aber ich habe sehr oft von Anderen Dinge übernommen, die mir gefallen haben. Ich kann mich noch sehr gut an meine erste Führungsaufgabe in einem mittelständischen Unternehmen erinnern.

Ich habe dort im Zuge einer Reorganisation eine Abteilung mit internen Beratern und Beraterinnen aufgebaut. So ziemlich am Anfang meiner Aufgabe bekam ich eine neue Chefin, die für den gesamten Bereich zuständig war. Sie kam von XEROX, ein Unternehmen, das damals sehr viel in gute Führung investiert hat. Meine Chefin reservierte erstmal monatliche Gespräche in meinem Kalender.

Zuerst habe ich gedacht: Was soll das denn jetzt bringen? Jeden Monat ein 1,5 stündiges Gespräch, das kostet mich doch nur eine Menge Zeit, die mir dann für andere Aufgaben fehlen. Nach dem ersten Gespräch war ich allerdings komplett anderer Meinung: Ich hatte verstanden, dass es in diesen Gesprächen darum ging herauszufinden, wie sie mich bei meiner Arbeit unterstützen könne – mit Ressourcen, eigenen Ideen und vielem mehr. Das hat mir sehr gefallen und mich sofort überzeugt. Und zwar so sehr, dass ich diese Art der monatlichen Gespräche gleich auch für meine Mitarbeiter übernommen habe.

Das führt mich gleich zur Wirkung solcher „Role Model“, sie verkörpern eine bestimmte Haltung oder Arbeitsweise und leben sie auch, so dass die Menschen um sie herum die Wirkung ihres TUNS und SEINS  erleben können.

Damit komme ich noch mal zurück auf den Artikel meiner Kollegin, denn das von ihr vorgestellte Modell  zu den 5 charakteristischen Punkten für solche Role Models von Marilyn Price hat mir sehr gefallen und ich möchte es daher gerne zur Reflexion in diesem Artikel nutzen.

Ich bin mir nämlich sicher, dass solche Orientierungen in den Zeiten des Wandels, den wir alle gerade erleben, sehr nützlich sind. Du kannst Dir also gerne mal ein paar Gedanken dazu machen, inwieweit diese Merkmale auf Dich selbst, Deine Kollegen, Deinen Chef oder andere Menschen, die Du kennst, zutreffen.

Dazu stelle ich am Ende jedes Punktes ein paar Fragen an Dich, die Du gerne für Dich beantworten kannst.

Hier vorab noch mal die Zusammenfassung
Role-Models

  1. zeigen Leidenschaft für ihre Arbeiten und stecken Andere an
  2. haben klare Wertvorstellungen und leben diese auch
  3. bekennen sich zu der Gesellschaft in der sie leben
  4. akzeptieren Menschen, die anders sind als sie selbst und unterstützen gern
  5. haben die Fähigkeit, Hindernisse zu überwinden und sind dadurch immer wieder initiativ, zeigen dass Handeln aus komplexen Zusammenhängen heraus möglich sind.

 

 1. Role Models zeigen Leidenschaft für ihre Arbeiten und stecken andere an

Kennst Du das auch: Menschen, die einen mitnehmen und für Dinge begeistern können? Ich kenne einige solcher Menschen und ich bin mir ziemlich sicher, dass ich in meinen Projekten auch oft andere mitreißen und begeistern konnte.

Um andere Menschen von den eigenen Ideen überzeugen  zu können, muss man zunächst selbst begeistert sein. Denn es ist die eigene Emotion, die andere ansteckt und mitreißt. Diese Energie, die solche Menschen durch ihre Emotionen erzeugen, wirkt auf andere Menschen motivierend und mitreißend.

Da Veränderungsprozesse  oft längere Zeit in Anspruch nehmen, muss man diese Leidenschaft auch aufrecht halten können. Das funktioniert nur dann, wenn man auf ein sinnvolles Ziel hinarbeitet. Eine Voraussetzung für wahre Leidenschaft ist also das eigene WARUM zu kennen und es sich immer wieder in Erinnerung zu rufen.

 

Meine Fragen für Dich:

  • Kennst Du solche Menschen, die diese Art der Leidenschaft im besten Sinne vorleben und verkörpern?
  • Welche ihrer Leidenschaften teilst Du?
  • Wie kannst Du diese Role Models bei ihrer Arbeit unterstützen bzw. diese Leidenschaften in Deiner eigenen Arbeit selbst zum Ausdruck bringen?

 

 

 2. Role Models haben klare Wertvorstellungen und leben diese auch

Unsere Werte sind handlungsleitend, das bedeutet sie motivieren uns Dinge zu tun oder zu lassen, zu bewerten, uns zu motivieren und vieles mehr. Viele Menschen kennen ihre persönlichen Werte gar nicht und können diese daher auch nicht mit Bewusstsein und Klarheit nach außen vertreten.

In vielen Firmen findet gerade ein Wertewandel statt: Von Konkurrenzdenken zu Kooperation, von Hierarchie und Kontrolle zu Netzwerken und Selbstorganisation, um nur zwei Beispiele zu nennen.

Sehr oft klafft allerdings noch eine große Lücke zwischen den tatsächlich gelebten, alten Wertvorstellungen und den gewünschten Soll-Werten. Es ist aber wichtig, dieses GAP zu kennen, um es auch  bewusst gestalten und damit schließen zu können.

Ich bemerke bei meinen Kunden eine zunehmende Tendenz, sich bei einem Tätigkeitswechsel zu vergewissern, ob solche Aussagen zum Thema Werte bloße Lippenbekenntnisse sind oder ob sich in den betreffenden Unternehmen tatsächlich etwas in die richtige Richtung bewegt.

Die eigenen Werte zu kennen spielt natürlich auch eine große Rolle, damit ich die Passung zum Unternehmen und seiner Kultur beurteilen kann. So dass ich bei einem Wechsel nicht anschließend wieder dasselbe erlebe wie in meinem alten Unternehmen und ich meine Werte wieder nicht leben und zum Ausdruck bringen kann.

 

Hier jetzt meine Fragen für Dich?

  • Welches sind Deine 3 wichtigsten, persönlichen Werte?
  • Inwieweit kannst Du diese in Deiner jetzigen Tätigkeit zum Ausdruck bringen?

 

 3. Role Models bekennen sich zu der Gesellschaft, in der sie leben.

Dieser Punkt hat für mich eine Menge mit dem Thema Selbstverantwortung zu tun. Denn ich kann natürlich immer im Außen schauen, was alles nicht funktioniert oder sich verändern müsste, damit ich zufrieden bin. Aber genau das ist in Zeiten des Wandels ja das Problem: Die alten Werte, Strukturen und Formen der Zusammenarbeit passen nicht mehr. Genau das ist ja der Auslöser für die Veränderung. Wenn ich also im Außen nach Orientierung suche, dann werde ich sie dort oft nicht finden- Im Gegenteil das ist häufig  der beste Weg in die Demotivation und den Energieverlust.

Ich bin davon überzeugt: Die Menschen müssen sich selbst verändern – ihr Mindset und ihr Bewusstsein –  dann bekommen sie Klarheit und dann werden automatisch neue Strukturen schaffen, die zu ihrem neuen Mindset passen. Deshalb ist es sehr wichtig, nicht nur nach draußen zu schauen, sondern vor allen Dingen auf uns selbst und die Wirkungen, die wir täglich erzeugen.

Wenn wir das verstehen und bewusst mit unseren Gedanken, Gefühlen und unserer Einstellung umgehen, dann können wir unser Mindset so ändern, dass wir die Wirkungen erzeugen, die wir uns wünschen.

Jede/Jeder von uns hat viel mehr Macht, als wir glauben. Das ist vielen nicht bewusst, weil sie mit ihrer Aufmerksamkeit im Außen feststecken und so eine Menge Energie verlieren. Role Models sind sich bewusst, dass sie Teil eines Ganzen sind, sie kennen ihren Wirkungsbereich und verlieren nicht zu viel Energie damit, sich um Dinge zu kümmern, die sie gar nicht verändern können.

 

Das sind meine Fragen für Dich:

  • Fühlst Du Dich eher ohnmächtig und frustriert oder hast Du Vertrauen in Dich selbst und Deine Fähigkeiten und Kompetenzen?
  • Was könntest Du tun, um mehr Selbstvertrauen und Handlungssicherheit zu bekommen?

 

 

 4 . Role Models akzeptieren Menschen, die anders sind als sie selbst und unterstützen gern

Wir erkennen immer mehr, wie sehr wir andere Menschen brauchen, um unser wahres Potenzial zu entwickeln. Unser Bewusstsein, dass wir in einer vertrauensvollen Zusammenarbeit unsere blinden Flecken reduzieren können und von den unterschiedlichen Fähigkeiten und Persönlichkeitsmerkmalen der anderen profitieren, steigt immer mehr an.

Deshalb ist es wichtig, dass wir aus dem ewigen Bewerten, Verurteilen und Kritisieren von uns selbst und anderen mal aussteigen und die Dinge als neutraler Beobachter wahrnehmen.  Erst dann wird mir nämlich mein Handlungsspielraum wirklich bewusst.  Solange ich in der Bewertung feststecke, ist meine ganze Aufmerksamkeit darauf gerichtet entweder das zu verstärken was mir gefällt oder in Widerstand zu gehen, wenn mir etwas missfällt.

Mir fällt da ein Beispiel einer meiner Kundinnen ein. Sie erzählte mir, dass sie immer in Abwehr geht, wenn jemand sich zu stark in den Vordergrund drängt und mit seinen eigenen Stärken und Fähigkeiten „prahlt“. Sie hatte dabei als weibliche Führungskraft vor allem die Spezies der „Alphamännchen“  im Auge, mit denen sie immer mal wieder ihre Schwierigkeiten hat.

Als Sie in die neutrale „Beobachterposition“ ging und ihre Bewertungen und Urteile erkannte, löste Sie sich automatisch von ihrem inneren Widerstand. Dadurch konnte sie fühlen, wie viel Energie sie ihre negative Bewertung selbst kostet und wie stark sie das davon abhält eine passende Umgangsweise mit solchen Kollegen zu finden.

Das zweite Thema dieses Punktes ist die Unterstützung von anderen: Andere Menschen zu unterstützen, das ist ein sehr großer Kraftspender für viele Menschen. Wenn wir uns öfter bewusst machen, wie unsere Unterstützung auf andere wirkt und wie sehr sie davon profitieren, dann können wir uns selbst bei großen Herausforderungen immer wieder selbst motivieren.

 

Hier meine Fragen an Dich:

  • Wie stark ist Dein innerer Kritiker ausgeprägt?
  • Wie wirken sich Deine Urteile auf Dich selbst und Dein Verhalten aus?
  • Wie oft unterstützt Du andere und wie profitieren sie von Deiner Unterstützung?
  • Wie oft profitierst Du von der Unterstützung anderer? Wie gibst Du Ihnen dazu deine Rückmeldung?

 

 

 5. Role Models haben die Fähigkeit, Hindernisse zu überwinden und sind dadurch immer wieder initiativ. Sie zeigen dass Handeln aus komplexen Zusammenhängen heraus möglich ist.

Da sind wir wieder bei einem meiner Lieblingsthemen: Dem richtigen Mindset. In Zeiten großer Veränderungen ist es wichtig, am Ball zu bleiben und sich nicht bei jeder negativen Reaktion sofort aus der Bahn werfen zu lassen.  Diese Fähigkeit wird auch mit Resilienz bezeichnet.

Das Gute ist: Die wissenschaftliche Forschung hat ausreichend belegt, dass Resilienz nicht angeboren ist, sondern wir diese jederzeit in unserem Leben aus- und aufbauen können. Da zu erwarten ist, dass  Ungewissheit, Komplexität und die Geschwindigkeit von Veränderungen in den nächsten Jahren weiterhin zunehmen werden, ist Resilienz also eine sehr wichtige mentale Prägung, die wir unbedingt ausbauen sollten.

Du kennst vielleicht Menschen, die auch in der größten Hektik wie ein Fels in der Brandung stehen und dadurch Ruhe und Gelassenheit verbreiten. Ja, wir stecken andere mit unserer Art zu SEIN und unserer Energie an: Gestresste Menschen schaffen noch mehr Stress, Menschen in innerer Balance können andere beruhigen – das ist auch wissenschaftlich belegt. Macht es da nicht Sinn, sich mal damit zu befassen wie Du selbst deine Resilienz verstärken kannst?

 

Meine Fragen an Dich:

  • Wie stark ist Dein Wunsch nach mehr Gelassenheit und Widerstandskraft?
  • Ist Dir klar, dass Du innere Ruhe, die Du verbreiten möchtest, erst mal in Dir selbst schaffen musst?
  • Was tust Du regelmäßig, um deine Resilienz aktiv auszubauen?

 

 Mein Fazit

Ich halte Role Models und die hier beschriebenen Merkmale für ausgesprochen wichtige Themen in Zeiten  des Wandels. Jede/Jeder von uns kann für andere in bestimmten Situationen oder herausfordernden Zeiten ein Role Model sein, egal auf welcher Hierachieebene er sich befindet.

Ich bin mir sicher, jeder von euch kennt Menschen, die eine oder mehrere dieser mentalen Prägungen in sich tragen und damit anderen Orientierung geben.  Es ist an der Zeit, sich diese Dinge bewusst zu machen, denn nur was uns bewusst ist,  können wir aktiv gestalten.

Ich persönlich meine, wie sollten uns von dem traditionellen Denkmodell des heldenhaften, charismatischen Führers, der alles im Griff hat, verabschieden. Solche Menschen gibt es nämlich gar nicht, das sind oft reine Inszenierungen, die nichts mit authentischen, lebendigen Menschen zu tun haben.

Wenn wir uns diese, menschlichen Prägungen bewusst machen und wissen, wie wir sie verstärken und leben können, dann kann jeder einen wichtigen Beitrag zu New Work leisten.

Du kannst Dir die Fragen als Checkliste hier kostenlos downloaden, damit Du sie in Ruhe ausfüllen und reflektieren kannst.

Ich würde mich freuen, wenn Du mir Deine Erfahrungen – vielleicht im Kommentar zu diesem Beitrag – mitteilst.

Herzlichst

Martina Baehr

 

Hier kannst Du Kathrin´s Artikel von letzter Woche „Was ist ein Role Model?“ noch mal nachlesen.

Martina Baehr
Martina Baehr ist freiberufliche Projektmanagerin, Trainerin, Coach und Inhaberin von Projektmanagement plus - Mit dem richtigen Mindset zum Projekterfolg. Sie unterstützt. Projektmanager und Führungskräfte dabei, erfolgreich mit Veränderungen im Berufsalltag umzugehen und mehr Gelassenheit und Selbstbewusstsein im Projektalltag zu entwickeln.
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